Indianische Völker im Regenwald AlaskasTlingit, Haida und Tsimshian - die Menschen der Nordwestküste21.01.2009 Monika Fuchs
Indianertanz in Sitka - (c) Brian Adams, Travel Alaska
Drei Indianervölker nennen die Inseln und die Küstenlandschaften Südostalaskas ihre Heimat. Die größte Gruppe bilden die Tlingit, deren Siedlungsgebiet sich von der Yakutat Bay nach Süden bis zur Mündung des Stikine River erstreckt. Sie wohnen in Dörfern und betreiben Fischcamps auf den Inseln. Die Haida sind berühmt wegen ihrer Kanus, die sie aus dem Stamm einer Zeder arbeiten, und mit denen sie zum Fischfang und zur Robbenjagd hinaus aufs Meer fuhren. Ein Teil von ihnen lebt auf den - heute zu Kanada gehörenden - Queen Charlotte Inseln und am Südende von Prince of Wales Island in Alaska. Die letzte Indianergruppe, die in Alaska ankam, waren die Tsimshian. Der Großteil dieses Stammes lebt in den Küsten- und Binnenregionen British Columbias. Aber 1887 gelangte eine Gruppe von ihnen unter Leitung des anglikanischen Laienpriesters William Duncan nach Annette Island. Dort leben etwa 1.000 von ihnen noch heute in der von Duncan gegründeten Siedlung Metlakatla. Ein fruchtbarer Lebensraum ließ Hochkulturen entstehen - die Indianer im Regenwald AlaskasDie Umgebung, in der die Indianer der Nordwestküste leben, ist fruchtbar und liefert das ganze Jahr über ausreichend Nahrung. Die Stämme ernähren sich noch heute von den Lachszügen, die alljährlich die Flüsse ins Landesinnere hochziehen, gehen auf Robbenjagd und sammeln Beeren in den tiefen Wäldern der Küstenregion. Die Indianer der Nordwestküste entwickelten ein komplexes Sozialsystem, das auf Verwandtschaft und Zugehörigkeit zu Moieties - Stammeshälften - beruht, innerhalb derer die Heirat untersagt war. Sie feierten Festtage mit feierlichen Riten und sind begnadete Künstler. Ihre reich geschnitzten Kunstwerke aus Zedernholz, ihre Hauspfosten, Totempfähle und Kanus, ihre geflochtenen Hüte aus Gras, die wasserdicht geflochtenen Körbe und die von ihnen so geschätzten Chilkatdecken legen Zeugnis ab von einer hochentwickelten indianischen Kultur, die an der Nordwestküste entstand und durchaus mit den Maya und Azteken Mittelamerikas zu vergleichen war. Potlatch - höchste Ehre erwirbt der, der am meisten verschenktBei allen Stämmen der Küste Alaskas - Tlingit, Haida und Tsimshian - wurde das Potlatch gefeiert, eine komplizierte Zeremonie, die einherging mit Tanz, Geschichtenerzählern und dem Hergeben von Geschenken durch die Gastgeber. Ein Potlatch wird - auch heute wieder - durchgeführt bei wichtigen Anlässen im Leben des Einzelnen oder wenn jemand einen höheren gesellschaftlichen Rang erreichen will. Bei den sogenannten Zerstörungspotlatches wurden besonders hochgeschätzte Besitztümer wie Kupferplatten zerbrochen als sicheres Zeichen des Wohlstands des Gastgebers. Heute werden bei Potlatches statt oder zusätzlich zu den traditionellen Decken oder Kupferplatten auch moderne Gegenstände wie Kühlschränke, Waschmaschinen oder Mikrowellenherde verschenkt. Missverständnisse zwischen Missionaren und ihren KonvertitenDen christlichen Missionaren war das Potlatch von Anfang an ein Dorn im Auge, betrachteten sie es doch als Beweis für das Heidentum ihrer Gemeinde - etwas, das ausgerottet werden musste. Und so war das Potlatch in den benachbarten Regionen Kanadas von 1884 bis 1951 verboten. Erst in den vergangenen Jahrzehnten wird das Potlatch wieder offen gefeiert, und ist zusammen mit modernen Schnitzwerken, Totempfählen und kulturellen Zeremonien Ausdruck der neuen indianischen Identität unter den Stämmen der Tlingit, Haida und Tsimshian. Urheberrecht: Monika Fuchs. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.
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